Interview mit Carlo Janka

Im Schweizer Skizirkus hält man zusammen und lernt voneinander. Didier Défago, der 2015 seine Profikarriere beendet hat, ist für die aktiven Fahrer und den Nachwuchs ein wichtiger Ratgeber, und mit seiner fröhlichen Art findet er immer aufmunternde Worte, wenn's mal harzig läuft. Für OCHSNER SPORT wird er zum rasenden Reporter.

OCHSNER SPORT ist seit Beginn der Karriere von Carlo Janka sein treuer Sponsor. Nach seiner ersten grossen Verletzung ist er topmotiviert. Hier das Interview mit dem Olympiasieger.


Didier: Du bist einer der Athleten, die am längsten beim OCHSNER SPORT Team dabei sind. Hat das eine spezielle Bedeutung für dich?

Carlo: Ja, das ist schon schön. Ich war als einer der Ersten dabei und bin es immer noch. Das spricht auch für Kontinuität und Loyalität von beiden Seiten. Da habe ich mich immer fest drangehalten, sei es mit Sponsoren oder Ski-Marken. Es ist immer gut für mich, wenn es auf einer guten Basis weitergeht. Es läuft sehr gut mit OCHSNER SPORT.

Didier: Du hattest eine schwierige Saison letztes Jahr mit deiner Knieverletzung. Wie geht’s dir heute gesundheitlich?

Carlo: Heute eigentlich sehr gut. Ich spüre das Knie noch ab und zu, aber ohne Schmerzen. Ich kann alles machen, es funktioniert sehr gut.

Didier: Wie bist Du mit der Situation umgegangen, eine Weile nicht fahren zu können?

Carlo: Das war meine erste grosse Verletzung. Das erste Mal, dass ich für längere Zeit vom Weltcup weg war. Das war für mich eine neue Erfahrung. Das Ganze mal von aussen zu betrachten, war sicher auch nicht schlecht. Es war eine spezielle Situation und auch ein Kampf gegen die Zeit für Olympia.

Didier: Wie hast du die freie Zeit genutzt? Hast du vielleicht etwas Neues gelernt oder bist du verreist?

Carlo: In meiner Situation gab es leider keine Zeit dafür. Ich habe am Tag der Verletzung bereits mit der Therapie angefangen, dann ging es mit Vollgas in Richtung Olympia. Dann habe ich eine kurze Pause gemacht, und anschliessend standen noch ein paar Tests an mit Rossignol, der Ski-Firma. Dann kurze zwei Wochen Ferien, und schon habe ich wieder mit dem Training angefangen. Viel Zeit für andere Sachen blieb dabei leider nicht.

Didier: In solchen Situationen fragen sich viele Leute, woher Athleten die Motivation haben, sich wieder an die Spitze zurückzukämpfen. Vor allem jemand wie du, der sehr viel Erfahrung hat und schon viele Titel gewonnen hat. Wo findest du diese Energie? Du könntest ja auch aufhören.

Carlo: Spass ist sicher dabei. Wenn man einmal ein gewisses Niveau erreicht hat und weiss, wie sich das anfühlt, dann will man das wiederhaben. Das gibt einem am meisten Motivation. Und auch die positiven Emotionen, die man dabei erleben kann. Du weisst selber auch, wie das ist. Das will man immer wieder haben. Es macht Spass, das wieder und wieder zu erleben – mit anderen Teamkollegen und Konkurrenten. Das macht es aus für mich. Wenn es schönes Wetter ist, und man das macht, was man am liebsten macht, dann ist das einfach eine gute Sache.

Didier: Kann das langjährige Vertrauen, das du von OCHSNER SPORT erhältst, auch ein Grund sein? Dass du immer Leute hinter dir hast, die dich vorantreiben?

Carlo: Ja, das sicher auch. Ich habe gerade wieder für mehrere Jahre unterschrieben. Das gibt eine Sicherheit. Es macht Spass, weiterhin bei diesem Team dabei sein zu können und als Leader voranzugehen. Ich hoffe, diesen Weg mit OCHSNER SPORT noch lange weiterzugehen.

Didier: Die Saison 18/19 steht bevor. Welche Ziele hast Du Dir gesetzt? Liegt Dein Fokus auf Speed oder mehr auf Technik?

Carlo: Der Fokus liegt voll auf Speed. Im Super G habe ich keine gute Startposition mehr, daher macht es wenig Sinn, mich darauf zu konzentrieren. Ich muss es zuerst schaffen, durch die Speed-Disziplinen genügend Punkte zu sammeln und dann wird der Super G vielleicht auch wieder ein Thema.

Didier: Jetzt steht schon die neue Saison vor der Tür, mit der WM in Are als Highlight. Auf was freust Du Dich besonders?

Carlo: Ich freu mich sehr darauf. Ich bin dort einen Riesenslalom gefahren und einmal das Finale im Jahr 2008 oder 2009. Die Abfahrtsstrecke kenne ich nicht mehr auswendig aber sie war eher schwierig. Sie hat zwei Teile. Der obere Teil ist eher etwas kontrolliert, der untere Teil ist ein bisschen technischer. 

Didier: Die WM in Are im Februar ist sicher das Highlight. 2007 warst du ja dabei. Was erwartest du von der WM und wie gefällt Dir Are?

Carlo: Normalerweise hat es sehr schönen Schnee, zu vergleichen mit Nordamerika. Es ist ein recht aggressiver und kalter Schnee. Ich habe gute Erinnerungen an die WM damals mit Dani und Marc. Sie haben als junge Fahrer erste Erfolge gefeiert.

Didier: Ist es eine Strecke, die dir entgegenkommt? Du liebst ja den nordamerikanischen Schnee.

Carlo: Der Schnee ist sehr schön zu fahren. Man braucht eine feine Fahrweise mit viel Gefühl, das mag ich. Ich bin zuversichtlich, dass das gut wird.

Didier: Ich drücke dir die Daumen für die Saison und die WM. Ich wünsche dir einen ganz guten Winter.

Carlo: Merci beaucoup. Dankeschön.


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