"Im Leben läuft selten alles normal"

Hier das Interview mit Daniel Albrecht, Gründer der Wintersportmarke Albright.


D: Der Winter steht vor der Tür. Spürst du schon Vorfreude?

A: Ja, vor allem, weil ich mit meiner Tochter Maria (2) erstmals Skifahren gehen kann. Und weil ich in der guten Luft im Winter keinen Heuschnupfen habe...

D: Früher bereiteten die besten Spezialisten dein Material vor. Muss du jetzt selber Hand anlegen?

A: Ich sollte, bin aber aus der Übung gekommen. So perfekt wie die Serviceleute die Ski präparierten und abstimmten, kriege ich sie nicht hin.

D: Wie stark trägt das Outfit deine Handschrift, zumal die neuste "Albright Collection" auf dem Markt ist?

A: Da ich nicht mehr täglich auf den Ski stehe und die unmittelbare Nähe verloren gegangen ist, machte ich - ähnlich wie im Spitzensport - einen Schritt zurück. Ich habe die Marke meinem langjährigen Partner OCHSNER SPORT verkauft, bin aber noch als Botschafter damit verbunden.

D: Vor genau zehn Jahren, am 29. Oktober 2008, hast du im Zürcher "Mascotte" die erste Kollektion vorgestellt und grosses Echo ausgelöst.

A: Ich habe damals Albright gegründet, mit Exklusivpartner OCHSNER SPORT aufgebaut und zehn erfolgreiche Jahre erlebt. Wir wollten ein jüngeres Kundensegment ansprechen mit qualitativ und funktionell hochwertigen Produkten zu erschwinglichen Preisen. Das ist uns gelungen.

D: Woher stammt der Name Albright?

A: Ich erhielt ihn von einem Zimmerkollegen am österreichischem Skigymnasium Stams. Er war Kanadier, konnte meinen Namen nicht ausprechen und nannte mich "Albright". 

Ein spezielles Datum ist auch der 22. Januar 2009. Auch dieses jährt sich zum zehnten Mal.

Das ist der Tag meines schweren Sturzes in der der Hahnenkamm-Abfahrt, der mein Leben verändert hat. Man kann auch sagen: es sind die zehn Jahre, die ich brauchte, um ins Leben zurückzukehren und mich neu zu orientieren. Gewissermassen als Übergangszeit vom Ski-Profi ins Privatleben. Jetzt habe ich wieder die Energie, neue Projekte anzupacken.

Wie sieht der Alltag des Ex-Rennfahrers Dani Albrecht aus?

Das Familienleben hat einen hohen Stellenwert. Seit fünf Jahren bin ich mit Kerstin verheiratet. Wir sind beide in Fiesch aufgewachsen und kennen uns seit Jugendtagen. Vor zwei Jahren kam unsere Tochter Maria zur Welt. Ich geniesse es, sie aufwachsen zu sehen. Die Zeit vergeht ja so schnell.

D: Ihr lebt in einem speziellen Haus, komplett aus Holz...

A: Aus unbehandeltem, einheimischem Holz, sogenanntem Mondholz, das besondere Widerstandsfähigkeit besitzt. Beim Bau sind weder Leim, Farben noch chemischen Mittel verwendet worden. Diese spezielle Bauweise ohne künstliche Isolation bringt noch bessere Energiewerte als der Minergie-Standard. Und fügt sich ideal in die Bilderbuch-Landschaft des Goms. Hier gibt es viele Häuser, die teilweise mehrere hundert Jahre alt sind. Von klein auf wünschte ich mir ein Haus, das im Alter immer schöner wird. Zurzeit bin ich daran, in diesem Bereich ein Projekt zu entwickeln.

D: Steht in diesem Haus auch eine Vitrine mit deinen Medaillen?

A: (lacht verlegen) Ich war nie ein 'Sammler' von Auszeichnungen und Pokalen. Und muss gestehen, ich habe zu Hause (macht eine Kunstpause) - eigentlich gar nichts. Jene Medaillen, die wertvoll sind, befinden sich bei meinem Bruder im Restaurant. Aber selbst dort fehlt eine. Die Goldmedaille der Junioren-WM in der Abfahrt habe ich meinem ehemaligen Kollegen Werner Elmer aufs Grab gelegt. Werner ist ein Jahr vor der WM bei einem Skirennen tödlich verunglückt. Er war stärker als ich und wäre Weltmeister geworden.

D: Zu dir selber. In Pyeonchang wurden Aksel Lund Svindal und Andre Myhrer Olympiasieger, zwei ehemalige Konkurrenten in deinem Alter. Was ging dir da durch den Kopf?

A: Man beobachtet jene Athleten, gegen die man selber gefahren ist, natürlich intensiver. Aber die Distanz ist mittlerweile so gross geworden, dass es mir - mit einem Schmunzeln - leicht fällt zu sagen: ich hätte sie geschlagen. Wenn alles 'normal' gelaufen wäre...

D: Haderst du manchmal mit dem Schicksal?

A: Nein. Im Leben läuft selten alles 'normal'. Situationen ändern sich, damit muss man umgehen können. Die Distanz ist inzwischen so gross, dass ich sagen kann: Es war ja nur der Sport. Es geht mir heute gut, ich bin gesund, habe mein Leben unter Kontrolle, eine Familie und bin glücklich. Und Skirennfahrer hätte ich ohnehin nur noch ein paar Jahre sein können.


 


ALBRIGHT JUBILÄUMS KOLLEKTION

FACTS

Daniel Albrecht (35) war dreifacher Junioren-Weltmeister und holte an den WM 2007 in Are einen kompletten Medaillensatz, darunter den Titel in der Superkombination.

Im Weltcup gewann er vier Rennen, davon drei Riesenslaloms. Nach Albrecht hat es weltweit keiner mehr geschafft, in Abfahrt UND Slalom aufs Podest zu fahren. Er galt als künftiger Weltcup-Gesamtsieger.

2009 stürzte er im Zielhang von Kitzbühel mit 140 km/h und zog sich ein schweres Schädel-/Hirntrauma zu. Drei Wochen lag er im künstlichen Koma. 22 Monate später gab er ein vielbeachtetes Comeback. Nach einem weiteren Sturz in Lake Louise, bei dem er sich eine Knieverletzung zuzog, trat er 2013 zurück.

Albrecht hat eine Ausbildung als Mental- und Skitrainer. Er ist Unternehmer, ein begehrter Referent und beschäftigt sich mit verschiedenen Projekten.


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